Biotonustest

Richtiges Hundehandling ist ein schier unerschöpfliches Thema. Gleichzeitig scheint die Auswahl der richtigen Hunde für ein gutes Team für viele Musher eher ein Glücksspiel nach den Prinzipien von Trial and Error zu sein als eine sachlich-fundierte Entscheidung. Heinrich Stahl, der seit Jahrzehnten als Züchter und Musher nicht nur sportlich Akzente setzt, sondern auch immer wieder durch seine perfektionistische Ausbildung der Hunde von sich reden macht, bietet nunmehr auch anderen Mushern und Züchtern die Möglichkeit, von seiner langjährigen Arbeit und Erfahrung bei der Ausbildung und Auswahl von Hunden zu profitieren. Mittels Stirnkamera dokumentiert HST die tägliche Arbeit mit seinen Hunden, angefangen von der Welpenaufzucht über seinen Biotonus-Test, anhand dessen er erfolgreich schon frühzeitige Selektion betreibt, bis zum Handling des Rennteams. Die so entstandene Dokumentations-DVD nebst schriftlicher Darstellung des Biotonus-Test ist nicht nur eine Hilfe, sondern vielmehr eine Notwendigkeit für alle, die sich in Sachen Hunde weiterbilden möchten.

Worum geht es eigentlich in dem von dir entwickelten Biotonustest?

Es geht um die Selektion des späteren Schlittenhundes. Bereits im Welpenalter zeigen sich die prägnanten Eigenschaften, die den erwachsenen Hund später im Geschirr während des Laufens im Team ebenfalls auszeichnen.

So erkennt man bereits im Welpenalter deutlich, welcher Hund zielgerichtet nach vorne läuft, ohne sich dabei ablenken zu lassen. Welpen, die eine solche Laufdominanz zeigen, sind die späteren Leader im Schlittenhundeteam. Andere versuchen, ihre Geschwister – mehr oder minder aggressiv - abzudrängen und so ihre Position zu halten. Diese Hunde neigen im Team beispielsweise zum Überbeissen. Wieder andere laufen einfach irgendwo im Mittelfeld und weichen dem Druck vorne aus.

Die Bandbreite des gezeigten Verhaltens in all seinen Facetten und Mischformen vollständig zu schildern würde ein komplettes Buch füllen. Kurz zusammengefasst kann man aber sagen, dass mittels des Biotonustests klar wird, welcher Hund später ein Leader wird.

Nach welchen Methoden hast du dir diesen Welpen-Biotonustest erarbeitet?

Ehrlich gesagt passierte das eher zufällig.

Mir ging es bei meinen Hunden und meiner Zucht immer auch darum, führige Hunde zu bekommen. Dazu gehört natürlich Arbeit mit den Hunden vom Welpenalter an. Vor ungefähr 15 Jahren – ich meine, es müsste etwa 1992 gewesen sein – wollte ich eigentlich nur meine Welpen nonverbal auf mich prägen. Heisst, sie sollten auf mich und das, was ich tue, achten und mir folgen, ohne dass ich ihnen ständig einen Redeschwall vorsetzen musste. Ich hatte nicht nur reichliche freies Feld und Acker vor meiner Haustür, sondern natürlich auch einige Bücher über Konditionierung gelesen. Also ging ich daran, das gelesene umzusetzen.

Bei den ersten drei Würfen, mit denen ich so arbeitete, dachte ich mir noch nicht viel dabei. Mir ging es – wie gesagt – ursprünglich ja eigentlich um eine Konditionierung der Hunde, um ihre Erziehung. Dann fielen mir aber doch Regelmässigkeiten im Verhalten der Welpen auf. Als schliesslich die ersten so erzogenen Hunde im Gespann liefen und ich ihr dortiges Verhalten und die dort gezeigten Eigenschaften sah, erinnerte ich mich an ihr ursprüngliches Verhalten während der Konditionierungsarbeit. Rückblickend reflektierend verstand ich nun vieles besser und erkannte erste Parallelen.

Ab etwa 1996 achtete ich angesichts der zwischenzeitlich erworbenen Erkenntnisse genauer auf das Verhalten der Welpen. Ich machte mir Notizen zu den einzelnen Hunden und begann, zur leichteren Unterscheidung der Tiere und damit auch zur leichteren Erkennbarkeit der Verhaltensfacetten damit, die Hunde farblich zu markieren. Im Laufe der Zeit habe ich so vier Verhaltensgrundtypen zuordnen und entsprechend farblich markieren können.

Kurz umrissen: welche Kriterien sind/waren bei der Durchführung dieses Test wichtig?

Bei der Beantwortung dieser Frage tue ich mich etwas schwer. Ich möchte erst einmal zur Vermeidung von Missverständnissen ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich bei meinem Biotonus-Test um Beobachtungen und Schlussfolgerungen über einen längeren Zeitraum handelt. Man sollte diesen Test nicht mit etwas verwechseln, bei dem man innerhalb eines kurz bemessenen Zeitrahmens von etwa 30 Minuten Kreuzchen auf einer vorbereiteten Liste mit bestimmten Kriterien macht und das Ergebnis dann durch Addition positiver oder negativer Antworten erhält.

Um den eigentlichen Biotonus-Test durchführen zu können, braucht man neben Fahrrad und – idealerweise – ATV vor allen Dingen eine entsprechende Vorbereitung in Form einer soliden Grundkonditionierung der Welpen. Im Biotonus-Test selber wird das Laufverhalten der Welpen beobachtet und analysiert. Das ganze geschieht freilaufend auf den Feldwegen vor meiner Haustür und kann natürlich nur dann funktionieren, wenn die Welpen vorher sauber im Rahmen der bereits erwähnten nonverbalen Prägung konditioniert wurden.

Kriterien für den Biotonus-Test sind die Anforderungen, die an den Hund als Schlittenhund gestellt werden. Insbesondere geht es natürlich um den Laufwillen des Hundes und die Frage, wie er diesen Laufwillen in der Gruppe umsetzt. So lassen sich die späteren Leader herausfinden, wie ich bereits eingangs sagte. Und wenn man ganz genau hinschaut, erkennt man bereits im Welpenalter die späteren Schneefresser.

Kannst du die wichtigsten Phasen für die Durchführung des Biotonustest kurz zusammenfassen?

Die erste Phase besteht in der nonverbalen Aufzucht der Welpen. Unter anderem werden sie auf den Rücken gerollt, betteln und lernen die sogenannte Futterfolge. Während dieser Phase werden die Welpen auf mich geprägt und lernen die Bedeutung des von mir angewandten Futterpfiffs. Bereitwillig legen sie dabei eine sonst in diesem Alter eher ungewöhnliche Gefolgschaftstreue gegenüber mir als Menschen an den Tag. So wird neben dem Verhalten des Hundes zum Menschen vor allem auch die Grundlage für den später folgenden eigentlichen Biotonus-Test gelegt. Dass man bereits deshalb hier mit äusserster Sorgfalt vorgehen muss, ist selbstverständlich.

In der zweiten Phase geht es dann hinaus aus den Welpenzwingern ins Gelände. Ich gebe zu, dass gerade die ersten zwei bis drei Mal immer von einer gewissen Nervosität begleitet werden – aber bei richtiger Vorarbeit geht dann eigentlich alles wie von selber. Die Welpen haben gelernt, mir zu folgen, und das tun sie bereitwillig und wie selbstverständlich auch im Gelände.

Zunächst lernen die Welpen das Fahrrad kennen und dabei die Bedeutung sich bewegender Reifen. Ab etwa der 10. Woche ist der Einsatz eines ATV von Vorteil. Die Welpen laufen frei neben Fahrrad bzw. ATV, so dass die Laufeigenschaften der einzelnen Tiere innerhalb der Gruppe beobachtet und bewertet werden können.

Wie ich bereits sagte, handelt es sich bei meinem Biotonus-Test um Arbeiten und Beobachtungen über einen längeren Zeitraum. Ab etwa der 5. Woche sollte man für etwa 63 Tage einen täglichen Zeitbedarf von etwa 1 Stunde einkalkulieren.

Wie schätzt du die Erfolgsquote ein?

Natürlich klingt es überheblich, wenn ich jetzt sage: 100%.

Bis jetzt habe ich ca. 40 Würfe grossgezogen und die Welpen bzw. Junghunde bis über 1 Jahr behalten. Bei weiteren 10 Würfen habe ich dann nur noch diejenigen behalten, die im Biotonus-Test die von mir gewünschten Eigenschaften zeigten. Im Ergebnis kann ich sagen, dass es immer so war, dass das Verhalten der Welpen im Biotonus-Test dasselbe war wie später im Einsatz als Schlittenhund.

Natürlich gehört bei der Beurteilung eine gewisse Routine dazu. Aber wo braucht man die nicht, wenn man eine mehr als 98%ige Erfolgsquote erreichen will?

Du züchtest ja nun bekanntermassen den German Traihound. Ist eine Umsetzung des von dir anhand dieser deiner Rasse entwickelten Biotonus-Test auf den nordischen reinrassigen Schlittenhund möglich oder müssen rassespezifische Abstriche in Kauf genommen werden?

Der Biotonus-Test zeigt Verhaltensmuster und damit Charaktereigenschaften auf, die von ihrem Grundtypus her bei jedem Hund vorhanden sind. Man erkennt den absolut laufmotivierten German Trailhound genauso wie den absolut laufmotivierten Siberian Husky oder Alaskan Malamute als den Hund, der von seiner Umgebung unbeeindruckt einfach nach vorne laufen will und dies auch tut.

Gerade in dem Alter, in dem die Arbeit mit den noch sehr jungen Welpen beginnt, gibt es im Verhalten keine Unterschiede zwischen verschiedenen Hunderassen. Die Prägung auf den Menschen bzw. den Züchter kann bei nordischen Hunden genauso erfolgreich durchgeführt werden wie bei jedem anderen Hund.

Diese Einschätzung beruht übrigens nicht nur auf meiner persönlichen Meinung. Erst vor wenigen Tagen rief ein Malamutenzüchter an, der nach einem Seminar bei mir nun den Biotonus-Test bei seinen Hunden anwendet. Er bestätigte mir aus erster Hand, das die kleinen Malamuten genau das Verhalten zeigten, dass er bei meinen Hounds beobachtet hatte. Er meinte, er hätte ohne meinen Biotonus-Test auf jeden Fall die falschen Hunde behalten.

Was beinhaltet die von dir angebotene DVD?

Die DVD zeigt vor allem die Interaktion der einzelnen Hunde untereinander. Wie gesagt, sind diese Verhaltensmuster bei jedem Hund gleich, so dass eine Umsetzung dieses „Anschauungsunterrichts“ unabhängig von der jeweiligen Rasse für jeden Hundebesitzer möglich ist.

Man darf die DVD allerdings nicht isoliert betrachten. Die Grundsätze des Biotonus-Test habe ich nochmals schriftlich ausführlich in einem kleinen Heft zusammengefasst. So kann man einerseits lesen, worum es geht, und sich daneben mit Hilfe der DVD die einzelnen Aspekte besser vor Augen führen.

Ich habe mich für dieses zweigleisige Angebot entschieden, da eine rein beschreibende, verbale Erklärung des Biotonus-Tests einfach zu aufwendig und auch vom Verständnis her zu schwierig ist. Gerade beim Verhalten von Hunden lässt sich anhand eines gezeigten Anschauungsbeispiels vieles leicht verständlich machen, das andernfalls auf 10 Buchseiten immer noch nicht vollständig und irrtumsfrei abgehandelt werden könnte. Um dieses Verständnis zu erleichtern, weist die DVD auch viele Zeitlupenaufnahmen auf.

Umgekehrt sind viele Hundehalter, auch Musher und Züchter, häufig nicht in der Lage, Interaktionen ihrer Hunde korrekt zuzuordnen und zu interpretieren. Deshalb wird das im Bild gezeigte Verhalten der Hunde nochmals schriftlich erkläutert.

 

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